

Offizier und Politiker
* 06.01.1886 in Klagenfurt
† 05.08.1947 in Innsbruck
Walter Adam wurde am 6. Jänner 1886 in Klagenfurt geboren und verstarb am 26. Februar 1947 in Innsbruck. Nach vier Jahren Gymnasium kam er im Jahre 1900 als Zögling an die Kadettenschule Innsbruck. Im Sommer 1904 beendete er diese als Jahrgangsbester mit dreifacher Auszeichnung. Am 18. August desselben Jahres trat er ins k.u.k. Heer ein, freiwillig auf drei Linien – sieben Jahre Reserve und zwei Landwehrjahre. Er wurde Kadett-Offiziers-Stellvertreter im Infanterie-Regiment Nr. 59 in Salzburg. Am 1. November 1905 wurde er zum Leutnant ernannt. Zu dieser Zeit begann seine lebenslange Freundschaft mit Edmund Glaises von Horstenau. Von 1906 bis 1907 war er in Přemysl beim Festungsregiment Nr. 3 stationiert. Nachdem er 1911 die Kriegsschule absolvierte, versetzte man ihn zu verschiedenen Garnisonen hauptsächlich auf dem Balkan (Nevesinje, Mostar usw.).
Nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges, den er zunächst im Kampf gegen Montenegro und ab September in der Herbstoffensive gegen Serbien erlebte, wobei er sich mehrfach auszeichnete, wurde er am 28. September 1914 außerhalb der Rangstour zum jüngsten Hauptmann des Generalstabes befördert.
Nach dem unglücklichen serbischen Feldzug erfolgte seine Abkommandierung von der 14. Gebirgsbrigade zum 16. Korpskommando nach Görz. Er nahm dort - unter anderem in Doberdo - an mehreren Isonzoschlachten teil.
Am 16. Juni 1916 wurde er nach Teschen und dann Baden in das Armeeoberkommando versetzt. Hier erlebte er als Augenzeuge die Geschehnisse am kaiserlichen Hof mit. In diese Zeit fällt der Tod Kaiser Franz Josephs I., bei dessen Aufbahrung in der Hofburg er anwesend war. Anschließend reiste er mit Feldmarschall Franz Conrad von Hötzendorf nach Budapest, wo er für den protokollarischen Ablauf der ungarischen Königskrönung Kaiser Karls I. mitverantwortlich war.
Im November 1918 entsandte man ihn, mit dem Auftrag zwischen den deutschen und den bulgarischen Truppen in der Türkei zu verhandeln, nach Konstantinopel. Im Stab von General Pomiankowski organisierte er nach Kriegsende die Repatriierung der österreichischen Truppen auf dem Dampfer „Reschid Pascha“. Mit ihnen traf er am 20. Jänner 1919 in der Heimat ein. Sowohl
Anton Lehár als auch der spätere ungarische Ministerpräsident, Gyula Gömbös, waren Bekannte aus dem Generalstab.
Seine militärische Laufbahn endete am 1. August 1924 mit der Pensionierung im Rang eines Oberst. Nach seinem Abschied vom Bundesheer war er Redakteur, später stellvertretender Chefredakteur bei der Reichspost unter Friedrich Funder.
1934 nahm er auf Betreiben von Dr. Ignaz Seipel und Dr. Engelbert Dollfuß die Bestellung zum Bundeskommissär für den Heimatdienst mit Sitz im Staatsrat an. Kurz vor Dollfuß Ermordung berief ihn jener in die Funktion eines Generalsekretärs der Vaterländischen Front, welche er bis 1936 ausübte.
Nach seinem außenpolitisch erzwungenen Rücktritt war er von 1936 bis 1938 Leiter des Bundespressedienstes. Unmittelbar nach dem „Anschluss Österreichs“ - in seinen Amtsräumen verhaftet - verbrachte er fünfeinhalb Jahre in den Konzentrationslagern Dachau und Flossenbürg. Nach der Haft im Gestapo-Gebäude Morzinplatz kam Adam im sogenannten „Prominententransport“ nach Dachau. Für kurze Zeit war der junge Bruno Kreisky in der Gestapo-Haft sein Zellengenosse.
Nachdem Friedrich Funder, Walter Adam und dessen engster Vertrauter Ing. Leopold Figl nach Flossenbürg überstellt wurden, war Adam dort systematischen Quälereien der SS-Wachleute, die laut Funder offensichtlich gezielt gegen seine Person gerichtet waren, ausgesetzt. Wie seine Schwägerin in einem Brief von 1940 mitteilt, gab es Versuche, ihn durch eine Intervention bei der
Schwester Adolf Hitlers frei zu bekommen. Paula Hitler war in der Volksschule Leonding von Walter Adams älterer Schwester Anna unterrichtet worden. Dieser Versuch scheiterte ebenso wie ein Appell an den damaligen Gauleiter von Wien, Baldur von Schirach.
Mitte des Jahres 1943 wurde er aus Oberdonau ausgewiesen und sein Freund Hans von Hammerstein vermittelte ihm eine Tätigkeit bei seinem Schwager Graf Walderdorff in Molsberg im Rheinland, wo er ebenfalls ständig von der Gestapo überwacht wurde. In der Nähe von Molsberg kam es aufgrund einer Kontaktherstellung durch Kunrat von Hammerstein zu einem Treffen mit Dr. Karl Friedrich Goerdeler am 20. Mai 1944. Die staatsrechtlichen Vorstellungen des deutschen Widerstandes lehnte er jedoch ab. Obwohl sich nach der Verhaftung Karl Goerdelers der Bahnhofsvorsteher und der Kaplan von Molsberg an seine Anwesenheit erinnerten, denunzierten sie Walter Adam und die Familie Walderdorff nicht, so dass er einer erneuten Verhaftung entging. Im Sommer 1945 kam Walter Adam nach Bad Ischl in das Pflegeheim in der Kaltenbachstraße. Hier verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens. Unter anderem besuchte ihn dort auch Bundeskanzler Leopold Figl.
Aus der vorliegenden Korrespondenz seiner Familie geht hervor, dass ihm das Angebot gemacht wurde, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren. Er hatte sich im Konzentrationslager offene TBC und Bauchtyphus zugezogen und sein ganzes Vermögen war konfisziert, wodurch er völlig auf die Hilfe von Freunden angewiesen war. Nachdem Leopold Figl und der Salzburger Erzbischof Dr. Andreas Rohracher ihm eine Kur in der Schweiz vermittelt hatten, kehrte er Ende 1946 todkrank nach Österreich zurück und starb am 26. Februar 1947 im Landeskrankenhaus Innsbruck. Sein letzter Wunsch war es in Bad Ischl begraben zu werden. Seine Beerdigung fand am 4. März 1947 unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. In Vertretung des Bundeskanzlers sprach Dr. Gleissner, seine KZ-Kameraden trugen den Sarg von der Sebastianikapelle zur Stadtpfarrkirche. Anwesend waren Sicherheitsdirektor Rupertsberger, Polizeidirektor Böhm, Gendarmerieinspektor Hadl, Bürgermeister Zeppetsauer, alle Stadträte. Die Beerdigung und das feierliche Requiem wurde von Konsistorialrat Hofer und Dr. Ohnmacht gestaltet.
Das Leben Walter Adams war Gegenstand einer Dissertation von Mag. Gerhard Zieher, die sich v.a. mit der Kriegszeit Walter Adams beschäftigte. Daraus entsteht nun eine umfangreiche Biografie, die Herr Zieher gemeinsam mit seiner Historikerkollegin Sigrid Reisinger verfasst, die selbst fünf Jahre in Bad Ischl zur HLT gegangen ist. Frau Reisinger und Herr Zieher hätten nun für ihr Projekt folgende Bitte an die Ischler Bevölkerung: Gibt es eventuell noch jemanden, der sich an Walter Adam oder seine Beerdigung erinnern kann? Sie suchen in diesem Zusammenhang auch Material wie Bücher, Zeitungen, Fotos, Plakate usw. aus der Zeit von 1914 bis 1947. Falls jemand diese Dinge ohnehin abgeben würde und keine Verwendung für sie hätte, würden sich die beiden Salzburger Historiker sehr darüber freuen. In diesem Fall bitte sich mit dem Ischler Historiker Kurt Lux in Verbindung zu setzen, der die Nachricht weiterleitet.
Mehr lesen
Im Haus der Geschichte in St. Pölten in der Ausstellung "Die umkämpfte Republik" ist die Liste der Gestapo Leitstelle Wien vom 1. April 1938 zu finden. Der erste Name lautet: Adam Walter, Oberst. Auf dieser Liste stehen die 151Namen jener Personen, die an diesem Tage ins KZ Dachau transportiert wurden.
Mehr lesen