

Schriftstellerin.
* 10.01.1871 in Wien
† 08.04.1955 in Linz
Enrica von Handel-Mazzetti wurde in Wien als Halbwaise geboren. Ihr Vater, Heinrich Freiherr von Handel-Mazzetti, Hauptmann der Infanterie, war bereits im September 1870 verstorben. Ihre Mutter Irene Csergheö von Nemes-Tacskand, fühlte sich mit der Erziehung der beiden Töchter Elvira (geboren 1869) und Enrica überfordert, so dass Verwandte die Vormundschaft übernahmen.
Enrica lebte bis zu ihrem Tod bei unverheirateten Geschwistern ihres Vaters. Von 1901 an hielt sie sich in Steyr auf. Sie übersiedelte schließlich mit ihrem Onkel Anton von Handel-Mazzetti und ihrer Tante Louise 1911 nach Linz.
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Schon in der Klosterschule beschäftigte sie sich mit Literatur. Es entstanden einige kurze Dramen, die auch aufgeführt wurden. Zu dieser Zeit las sie mit Vorliebe Schiller, Kleist, Shakespeare und Dickens. Diese Schriftsteller beeinflussten sie in ihrem eigenen Schaffen als Autorin nachhaltig.
Bereits mit 19 Jahren veröffentlichte sie erste Gedichte.
Nach erfolgreich bestandener Matura studierte Enrica von Handel-Mazetti in Wien Geschichte und Sprachwissenschaften.
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Enrica von Handel-Mazzetti schrieb hauptsächlich historische Romane und Novellen, die in der Zeit der Glaubenskämpfe zwischen KatholikInnen und ProtestantInnen spielen. Ihre ersten großen Erfolge als Schriftstellerin erzielte sie mit der Erzählung "Meinrad Helmpergers denkwürdiges Jahr" (1900) und dem Roman "Jesse und Maria" (1906). Hernach schrieb sie über 80 weitere Novellen und Romane.
Sie war eine äußerst produktive Schriftstellerin, die sich einer archaisierenden Sprache bediente, also altertümliche Nuancen hatte. Ihre Bücher erzielten hohe Auflagenzahlen, sodass sie im gesamten deutschen Sprachraum als Schriftstellerin einen hohen Rang und Erfolg inne hatte.
Die Themen Glaube, Bekehrung, Keuschheit und Bedrängung beschäftigen Handel-Mazzetti zeitlebens und im gesamten Werk in unterschiedlicher Form.
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Mit dem Untergang der Monarchie allerdings begann das Publikumsinteresse zu sinken. Das ändert aber nichts an ihrer Produktivität. Sie schrieb Roman um Roman. Ab den 1920er Jahren zog sie sich immer mehr zurück, und lebte für Jahre mehr in Briefen als in der Realität. Sie führte Briefbeziehungen mit Leserinnen und Lesern, Herausgebern, Verlegern, Germanisten, Geistlichen, Verwandten und Freunden, u. a. mit Marie von Ebner-Eschenbach.
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Als 1933 anlässlich einer außerordentlichen Generalversammlung des P.E.N.-Clubs eine Gruppe von 25 Schriftstellern eine Resolution gegen die Bücherverbrennung 1933 in Deutschland verabschiedete, trat Enrica von Handel-Mazzetti gemeinsam mit anderen nationalen, völkischen und katholischen Autoren aus dem P.E.N.-Club aus. Enrica von Handel-Mazzetti wurde im selben Jahr Mitglied in der Dichterakademie in Deutschland.
Sie engagierte sich für die Versorgung von bedürftigen Kindern und richtete Gnadengesuche für katholische Geistliche an Behörden.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich erschien noch 1941 in kleiner Auflage der historische Roman Graf Reichard. Das Propagandaministerium in Berlin verbot jedoch mittels Geheimerlässen an Redaktionen Artikel über die Dichterin. Danach wurden keine Werke mehr von ihr gedruckt. Ihr umfangreiches Werk geriet nahezu in Vergessenheit.
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Der Nachlass wurde dem Wunsch der Schriftstellerin entsprechend dem Land Oberösterreich übergeben. Er kam zur Erschließung und Bearbeitung ins Adalbert-Stifter-Institut, wo er betreut und auch die Urheberrechte am Werk Handel-Mazzettis verwaltet werden.
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